Über (berufliche) Veränderung und wie man Expertin darin wird

Mai, 2019 von Ilona Kofler in Sensible Themen

Hochsensible lieben Veränderungen, Neuanfänge und Umbrüche…

 

NEIN, kein bisschen! Denn genau das mögen sensible, feinfühlige Menschen so gar NICHT.

 

So wie die meisten meiner Freunde, Bekannten, Kollegen und Klienten. Dabei wird uns doch von allen Seiten ständig suggeriert: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“ oder wie ein bekannter Buchtitel lautet: „Dein Pferd ist tot? Dann steig ab!“, in dem es um tot gerittene Jobpferde geht.

 

Gerald Hüther, ein bekannter Hirnforscher schreibt zum Thema Veränderung: „Am wenigsten Energie verbraucht ein Gehirn dann, wenn alles passt. Also lassen wir gerne alles beim alten.“

Sich nicht verändern wollen, ist also für unser Gehirn durchaus auch sinnvoll: So spart es Energie. Aber wußtest du auch, dass sich unser Gehirn das ganze Leben weiterentwickeln kann, dass es das einzige Organ ist, das nicht wirklich altert, weil es in der Lage ist, immer wieder neu zu lernen, weitere Synapsen  bilden und sich so hervorragend auf Neues und Veränderungen einstellen kann? Man kann sich Veränderung wollen also tatsächlich antrainieren!

 

Und Hesse schrieb: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

(Das gesamte Gedicht findest du am Ende des Blogbeitrages)

 

Um dir meine persönliche Geschichte zu Veränderungen zu erzählen, muss ich etwas weiter ausholen.

Schon als Kindergartenkind war jedwede Änderung des Tagesablaufes, und war sie noch so simpel, für mich ein Grund, in minutenlange Weinanfälle zu verfallen. Nichts konnte mich in solchen Fällen trösten, geschweige denn zur Vernunft bringen. Es fühlte sich so an, als würde mir der kindliche Boden unter den Füßen weggezogen.

 

Das setzte sich in der Schule fort – der Wechsel von Kita zu Schule und dann von der Grundschule in die Mittelschule (wie sie bei uns in den Südtiroler Bergen genannt wird) war jedes Mal begleitet von Traurigkeit, Verzweiflung und Weinen.

 

Nichts war mit Vorfreude auf neue Lehrer (und das wäre ja nun wirklich in meinem Fall angebracht gewesen – hatte ich doch eine Erziehern, die militärische Maßnahmen zum Drill genutzt hat)!

 

Kein Lächeln konnte mir entlockt werden mit der Aussicht auf Mitschüler, auf all das NEUE, das mir ja nun bevorstand – ganz im Gegenteil: Ich habe Qualen gelitten.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Von klein auf hatte ich mit den Tücken der Veränderung zu kämpfen.

 

Hatte ich mich dann an die neuen Gegebenheiten und Menschen gewöhnt, war ich zufriedener und glücklicher als zuvor. (Das weiß ich jetzt – damals konnte ich das nicht (an)erkennen). Bis zum nächsten Umbruch – dann ging das bodenlose tiefe Fallen in dunkle Löcher wieder von vorne los.

 

Vieles habe ich mir in meinen jungen Jahren mit dieser Scheu vor Veränderung verbaut, habe mir nichts zugetraut und noch weniger darauf vertraut, dass mir eben dies zu mehr Selbst – Bewusstsein hätte verhelfen können.

 

Aber wie heißt es so schön: „Hätte, hätte, Fahrradkette…“

 

Eines Tages, ich war noch unter zwanzig, hatte ich eine Begegnung, die mir deshalb mit allen Details und Kleinigkeiten in Erinnerung geblieben ist, weil mich eine Aussage einer damaligen Bekannten aufhorchen ließ. Es war ein heller und warmer Sommertag in den Bergen. Es duftete nach Flieder und Pfingstrosen und Schwalben tanzten lärmend über unseren Köpfen.

Im Gespräch ging es darum, dass ebendiese Bekannte die Sommermonate zuvor an der Adria zum Jobben verbracht hatte – mit all den Freiheiten und Vergnüglichkeiten, die so ein Sommerjob mit sich brachte: Sonne, Strandfeten bis tief in die Nacht, braungebrannte italienische Jünglinge, Gelati, Gelati und noch mehr Gelati…

 

Auf meine Frage, wie sie denn dazu den Mut aufgebracht hatte, gab sie mir folgende Antwort: „Ich habe es einfach gemacht. Ich wollte mir beweisen, dass ich das kann und dass ICH über mein Leben bestimme und nicht jemand anderes.

 

Ich wollte lernen, mit Veränderungen umzugehen.“

 

Diese Sätze haben mein Denken und mein Tun nachhaltig verändert. Sie waren im besten Sinne des Wortes ein Same, der auf fruchtbaren Boden gefallen war. Von diesem Tag an wollte ich das auch! Ich hatte jemanden getroffen, die es geschafft hatte:

 

Lernen, Veränderungen anzunehmen und das Beste daraus zu machen, mehr noch: Veränderung und Neuanfang als Chance zu sehen!

 

Was für eine Offenbarung für mich Küken, die ich zu dem Zeitpunkt gerade mal fünf Kilometer weiter im nächsten Dorf eine Ausbildung angefangen hatte!

 

Ein paar Jahre später (und gefühlt gelesene hundert Bücher zum Thema), immer noch ängstlich, immer noch verhalten, habe ich es dann zum allerersten Mal geschafft, den Arbeitsplatz zu wechseln. Langjährige Unzufriedenheit und Vorgesetzte, die nicht meinen Wertvorstellungen entsprachen, haben mich zum ersten Mal mutig werden lassen.

 

Von da an ging es stetig aufwärts mit meinem Mut, Umbrüche und Veränderungen anzunehmen und ihnen im besten Sinne die Stirn zu bieten.

 

Ich hatte mich auf den Weg gemacht. Rückschläge inbegriffen. Zu den beruflichen Umwälzungen kamen auch große persönliche Veränderungen. Allesamt haben mich wachsen und reifen lassen. In einem Maße, wie es mir erst Jahre später wirklich zur Gänze bewusst wurde. Heute kann ich sagen: Jeder neue Mensch in meinem Leben war auf seine Art eine Bereicherung, und sei es nur, um zu merken: So möchte ich das nicht (mehr).

 

Aber ich schweife ab, zurück zur Expertin für berufliche Veränderung. Mit jedem Neuanfang, mit jedem Umbruch wuchs mein Mut, wuchs mein Selbstvertrauen.

 

Der größte Schritt, den ich mit Ende zwanzig gewagt habe, war mein Aufbruch nach Berlin. Berlin war meine Sehnsuchtsstadt geworden, als ich Jahre zuvor als Touristin einen Freund besucht hatte. Berlin war mir seitdem nie mehr aus den Kopf gegangen. Und dann habe ich es gewagt:

Das dörfliche Leben hinter mir lassend bin ich in die Metropole gezogen. Der erste Winter war echt hart. Wer Berlin im November kennenlernt und trotzdem bleibt: Respekt! In diesem November habe ich mir selbst geschworen: Wenn du es hier schaffst, kannst du alles schaffen!

 

Ich bin geblieben. Und nicht nur das. Schritt für Schritt, Jahr für Jahr habe ich mir bewiesen, dass ich es kann: Veränderung und Umbruch annehmen, ja sogar suchen.

 

Denn: Nach einiger Zeit fiel es mir nicht mehr schwer, mich zu verändern, geschweige denn, Umstände und Zustände hinzunehmen, die sich nicht gut für mich angefühlt haben. Immer öfter konnte ich meiner Intuition sofort trauen und habe nicht Monate und Jahre an Arbeitsplätze und mit Menschen vergeudet, die mir nicht gut getan haben.

 

Ich behaupte nicht, dass es immer einfach war.

War es nicht.

Und ist es bis heute manchmal nicht.

 

Aber mittlerweile gibt es keinen anderen Weg mehr für mich als den, auf meine Bedürfnisse zu achten und ihnen die besten Weggefährten an die Seite zu stellen: Mut und (Selbst) Vertrauen.

Mittlerweile lebe ich seit 17 Jahren in meinem Berlin. HALT- ich schwindle! Zwei Jahre davon war ich in der Nähe von Bremen – allein dort habe ich drei berufliche Neuanfänge gewagt!

 

Berlin ist Veränderung, Berlin fordert mich jeden Tag. Es gibt immer noch Ecken, an denen ich nie war, deren Eigenheiten ich noch nicht kenne, Parks und Friedhöfe, die noch Schätze bergen. Berlin ist die perfekt Stadt, um immer wieder aufs Neue mutig zu sein und Veränderung zuzulassen. Berlin ist gelebte Freiheit.

 

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.

Nach Jahren habe ich herausgefunden, dass Hesse das Gedicht Stufen mit ebendiesen Zeilen genau an dem Tag meines Geburtstages veröffentlicht hatte (ein paar Jahrzehnte zuvor natürlich), na, wenn dies kein Zeichen sein sollte…

 

Gewagte Neuanfänge jeglicher Art in bisher siebenundvierzig Jahren: Vierundzwanzig an der Zahl.

Unter anderem habe ich Bäume gepflanzt, Grabgestecke kreiert, Räume gepflegt und Betten gemacht, Kiloweise Äpfel für Strudel geschält, Bücher ausgepackt, wegsortiert und besonders gerne: empfohlen.  Zudem: Belegte Brote für italienische Touristen gezaubert, Mitarbeitergespräche geführt, Personalplanung ausgetüftelt, Espresso, Kuchen und ökozertifizierte Mode an die Frau gebracht. Am meisten Spaß hatte ich aber immer am Lernen und am Mich-weiter-Entwickeln. Schon lange bevor ich meine Ausbildung zum Personal- und Businesscoach angefangen habe, habe ich stapelweise Fachbücher zu den Themen Psychologie, Lebenshilfe und Selbstreflexion gelesen.

Und es geht weiter:  Eben habe ich eine weitere Ausbildung zur HP für Psychotherapie begonnen!

Du siehst, es geht: Man kann Expertin für Veränderung werden. Und das Beste daran ist: Was ich kann, kannst du schon lange!

Sei mutig! Wage es, DEIN Leben zu leben und werde immer mehr zu der Person, die DU sein willst.  Es lohnt sich – jeden Tag.

 

Schreib mir oder ruf einfach ein, ich freue mich auf dein brachliegendes Potenzial:

https://koflercoaching.com/kontakt/

 

Und hier das wunderbare Gedicht von Hermann Hesse:

Stufen

 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

 

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

 

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!